Schloss Linderhof in Oberbayern

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In der Gemeinde Ettal in Oberbayern steht das wunderschöne und beeindruckende Schloss Linderhof. Es ist neben den Schlössern Hohenschwangau und Neuschwanstein das dritte Schloss des bayerischen Königs Ludwig II., der sich in Linderhof ein privates Refugium mit einer prachtvollen und unvergleichlichen Ausstattung schuf.

Schloss Linderhof gilt als das Lieblingsschloss des, auch als Märchenkönig bekannten, Monarchen und es entstand in mehreren Etappen zwischen 1869 und 1886. Linderhof, das an ein typisches Lustschloss aus dem 18. Jahrhundert erinnert, ist prunkvoll im Stil des Rokoko eingerichtet und diente Ludwig II. als Wohnschloss, in dem er sich als souveräner König fühlen konnte, der er eigentlich nach der Niederlage im Krieg gegen die Preußen 1866 nicht mehr war. Nicht weniger beeindruckend als das Schloss sind die dazugehörigen Gartenanlagen mit zahlreichen Brunnen, Terrassen mit Bassins, Statuen und imposanten Parkbauten wie dem Marokkanischen Haus oder der Venusgrotte, die jede für sich schon eine echte Sehenswürdigkeit ist. Das Schloss und die Gartenanlagen stehen Besuchern täglich offen. Hunderttausende Menschen besuchen Schloss Linderhof jedes Jahr und bestaunen dieses kunstvolle Ensemble des 19. Jahrhunderts.

Die Geschichte des Schlosses

Dort, wo heute das Schloss steht, befand sich Ende des 18. Jahrhunderts ein einfaches Bauernhaus, das der Vater von König Ludwig II., Maximilian II., Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Jagdsitz umbauen ließ. Dieses sogenannte „Königshäuschen“ war ein auf einem Steinsockel errichtetes relativ schlichtes Holzhaus. Im Jahre 1868, vier Jahre nach seiner Krönung zum König, begann Ludwig II. einige Schlossprojekte zu planen. So entstanden in diesem Jahr die konkreten Pläne für das, von außen an eine prächtige mittelalterliche Burg erinnernde, Schloss Neuschwanstein, das heutzutage eine weltberühmte Sehenswürdigkeit ist. Was Linderhof anging, das seinen Namen von einem Gut des Klosters Ettal erhielt, begnügte sich der Monarch zunächst mit einer Erweiterung des Königshäuschens, für die er den Architekten Georg von Dollmann engagierte. Zunächst wurde das Gebäude um einen Ostflügel erweitert und im Laufe der Jahre folgten etappenweise weitere Ausbaumaßnahmen. Nachdem der Grundriss eines Schlosses entstanden war und dieses mit Steinmauern umschlossen wurde, ließ Ludwig das eigentliche Königshäuschen, das inzwischen überflüssig geworden war, an seinen heutigen Standpunkt, etwa 200 Meter westlich des Schlosses versetzen. In den Jahren 1885 und 1886 folgten die letzten Baumaßnahmen, die der österreichische Architekt Julius Hofmann leitete. Die Fassaden des zweistöckigen Schlosses sind im historistischen Stil mit Anleihen aus dem Rokoko gestaltet und insgesamt erinnert der Prachtbau an ein imposantes Lustschloss aus dem 18. Jahrhundert.

Die Innenräume

Schloss Linderhof fasziniert durch prachtvoll ausgestattete Innenräume mit allerlei Gold und Glitzer, luxuriösen Möbeln und kunstvollen Verzierungen und Malereien. Die Ausstattung vereint Anleihen aus dem französischen und dem bayerischen Rokoko, mit überreichlich Dekorationen an den Wänden und Decken. Größter Raum des Schlosses ist das königliche Schlafzimmer, das ebenfalls prunkvoll eingerichtet ist und an das Schlafzimmer das französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. erinnert, den der Märchenkönig sehr verehrte. Allerdings ist der Raum im Schloss Linderhof in anderen Formen und Farben gestaltet worden, als das Original in Frankreich. Neben dem Schlafzimmer ist auch noch der beeindruckende Spiegelsaal relativ groß. An den anderen Räumen erkennt man jedoch, dass das Schloss für eine Person allein vorgesehen war. König Ludwig II. schätzte die Einsamkeit und wollte hier möglichst ungestört in seinem eigenen Reich verweilen. Dies unterstreicht das faszinierende „Tischleindeckdich“ im Speisesaal. Dabei handelt es sich um eine Art „Speisenaufzug“: Der Esstisch konnte mit Hilfe einer Mechanik aus dem Speiseaal eine Etage tiefer hinunter in die Küche gelassen werden, wo er von den Bediensteten gedeckt wurde. Anschließend manövrierten diese den Tisch wieder hinauf, wo der König nun in Ruhe speisen konnte. Neben der prunkvollen Ausstattung aller Räume entdecken aufmerksame Besucher in diesen auch allerlei Details, wie Wandmalereien und Porträts, die die Verehrung Ludwigs für das französische Königshaus ausdrücken.

Der Schlossgarten

Nicht weniger beeindruckend als das Schloss selbst, sind die angrenzenden Parkanlagen. Der Park kombiniert Motive von italienischen und französischen Barockgärten sowie von englischen Landschaftsgärten. Für die Gestaltung war der bayerische Hofgärtner Carl von Effner zuständig. Besucher erwarten wunderschöne Terrassen mit Bassins, Brunnen und Fontänen. Viele Zierbauten, geometrische Blumenbeete, eine lange Kaskade die im sogenannten Neptunbrunnen endet und viele weitere Details erinnern an einen prächtigen Barockgarten. Etwas ganz besonderes sind die zahlreichen Parkbauten. Man findet hier zum Beispiel das ursprüngliche Königshäuschen, in dessen Erdgeschoss heute eine Ausstellung über seine Entstehung zu sehen ist. Faszinierend ist der Maurische Kiosk mit seiner goldenen Mittelkuppel, der ursprünglich von den Preußen für die Weltausstellung 1867 in Paris gebaut worden war. Ludwig II. kaufte ihn später auf und ließ ihn mit Beleuchtungskörpern, einem kunstvollen Marmorbrunnen und einem luxuriösen Pfauenthron ausstatten. Auf der besagten Weltausstellung kaufte Ludwig das Marokkanische Haus, das prunkvoll im orientalischen Stil mit edlen Stoffen und Teppichen ausgestattet ist. Die sogenannte Hundinghütte ist ein romantischer Blockbau, der nach einer Beschreibung einer Szene aus Wagners Oper Walküre gebaut wurde. Die Einsiedelung des Gurnemanz – eine Einsiedlerhütte am Rand des Schlossparks – entstammt ebenfalls einem Werk Wagners, nämlich der Oper Parsifal. Überhaupt spiegeln sich die Musikdramen Wagners in fast allen Parkbauten hier wider. König Ludwig II. verband eine innige Freundschaft mit dem Komponisten und auch in Schloss Neuschwanstein findet man ja viele Motive aus der Sagen- und Märchenwelt, die Wagner ebenfalls in seinen Werken immer wieder thematisierte. Ein besonderes Highlight unter den Parkbauten im Schlossgarten ist die riesige Venusgrotte mit ihrem kleinen künstlichen See und einer elektrischen Beleuchtung durch Kohlenstablampen. Mit Hilfe von Farbgläsern wurde verschiedenfarbiges Licht erzeugt. Die Grotte schmücken Landschaftsgemälde und Szenen aus der Wagneroper Tannhäuser.

Das Schloss Linderhof und der dazugehörige Schlossgarten ergeben ein eindrucksvolles Gesamtkunstwerk von unvergleichlicher Schönheit. Das Schloss steht Besuchern ganzjährig, außer an einigen Feiertagen, offen. Die Parkbauten sind, außer dem Königshäuschen, im Winterhalbjahr von Oktober bis März allerdings geschlossen. Das Schloss und die Venusgrotte können nur geführt besichtigt werden. Eine solche Führung wird in deutsch und in englisch angeboten und dauert eine knappe halbe Stunde. Für Kinder gibt es außerdem spezielle Führungen und in den Sommermonaten warten auf Familien interessante Angebote, die jede Menge Spaß für Groß und Klein versprechen. Das Schloss Linderhof ist eine wunderschöne Sehenswürdigkeit, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Adresse: Schloss Linderhof, Linderhof 12, 82488 Ettal, Deutschland
Telefon: 0049 (0) 8822 / 9 20 30
Fax: 0049 (0) 8822 / 92 03 11
 
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